Attwenger -Zwei Musiker mit dem Beat im Blut

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„Attwenger“ in Aktion erlebten am Freitag gut 160 Besucher im Schlosskeller. Die zwei Österreicher, die auf der „K.i.W.“-Bühne standen, haben in der Tat den Beat im Blut und die gut 100 Besucher durch Originalität und Qualität überzeugt. Schlagzeuger Markus Binder und Harmonikaspieler Hans-Peter Falkner lassen sich nicht in eine Ecke stellen, sie lassen ihren Eigenkompositionen jede Menge Raum für musikalische Einflüsse und stilistische Elemente.

Von ungefähr kommen Erfolg, Zuspruch und Publikumsgunst des Duos wahrlich nicht, das schon seit zwei Jahrzehnten unterwegs und längst eine große Nummer im Geschäft ist, das beinahe schon Kultstatus hat und mit ihren Tönen und Texten die Altersklassen verbindet. Der köstliche Klang-Cocktail, verfeinert mit einer unverzichtbaren Portion Rock und einer guten Dosis Volksmusik, mit einem Spritzer Reggae und einem Schuss Rap spricht den jungen Studenten ebenso an wie die älteren Semester. Die akustische Mischung, die Richtung Alpen-Punk tendiert, kommt an, ist gefragt und geachtet.

Dass derart volkstümliche Instrumente ein solch buntes Publikum lockten, mag auf den ersten Blick verwunderlich sein. Lässt man die Burschen aber aufspielen, entpuppt sich die Musik schnell als ein Brückenschlag zwischen traditionellen und modernen Formen. Was man am Freitag akustisch geboten bekam, war eine Spur zu rockig, um Volksmusik zu sein, und zu experimentell für Austro-Pop. Müsste man eine Musikrichtung finden, welche die beiden Ziehharmonika-Punker vertreten, würde man die ausufernden Klangkulissen mit den psychedelischen Maultrommel-Solos in eine Schublade stecken wollen, so käme man sehr schnell auf den Trichter, dass sich diese Einordnung ausschließt, sogar verbietet. Der Sound erinnert zwar an Hubert von Goisern, die Biermösl Blosn oder Haindling, ist aber dennoch etwas ganz Eigenständiges.

Textlich präsentierten sich die österreichischen Klangkünstler minimalistisch. Lieder wie „Sun“ und „Bam“ gingen nahtlos in „Dog“ und „Rahm“ über. Obwohl man als Oberpfälzer meinen könnte, dem österreichischen Dialekt gewachsen zu sein, stellten „Attwenger“ hinsichtlich der Verständlichkeit wegen ihre Abstraktion der Mundart eine kleine Herausforderung dar:

„Da Dog is a Dog und da Dog is a Hund…“ heißt es in einem Lied und in einem anderen wird der Begriff „wama liaba“ zu einem Mantra ähnlichen Singsang erhoben und ad absurdum geführt.

Ob man die dargebotene Musik nun als psychedelischen Alpenrock, Austro-Pop oder postmoderne Volksmusik bezeichnet, ist im Endeffekt egal. Das Konzert war ein Erlebnis! Der Funke zwischen der Band und dem Publikum sprang über. Die einzige Frage, die offen bleibt, ist nun die, wer vor der Bühne wilder getanzt hat: Die Alten oder die Jungen? Ferner ist ganz Wörth um eine Lektion reicher: Unterschätze niemals die treibende Kraft einer „Quetsch’n“!

[Text und Bilder: Sepp Raith, Donau-Post]

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