Begegnung mit der Vergangenheit

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Dr. Piroschka Agoston stellte ihr erstes Buch vor – Eine Spurensuche mit vielen Fragen

Nach Jahrzehnten im Beruf wagt eine pensionierte Ärztin in ihrer größer gewordenen Freizeit den Sprung in ein neues, nicht minder fesselndes und faszinierendes Fachgebiet. Dr. Piroschka Agoston hat die Vorzüge der Literatur entdeckt. [...]

Weder das Alter, das sie noch immer für sich behält, noch Selbstbewusstsein und die Gewissheit einer vollkommenen Unabhängigkeit schützen vor Lampenfieber, das sie erst gar nicht leugnete. Sie sei eben weder Entertainerin noch Schauspielerin. Aber sie bekam Beistand vom Duo „Folklassica“, das mit sanften Melodien klassischer Komponisten einen guten Teil des Abendprogramms gestaltete und der besonderen Situation die Anspannung nahm. Die Beiträge von Marion Weickl (Querflöte) und Angela Bauer (Gitarre) waren der Hauptperson eine echte Hilfe und wirksame Ergänzung des Vortrags. [...]

Nicht mehr in Vergessenheit geraten wird die Lebensgeschichte der gebürtigen Ungarin, die – wie sie im Buch bestätigt – mit ihren beiden Schwestern in Budapest eine behütete und glückliche Kindheit unter einem Dach verbringen durfte, in der „Armut und Hunger keinen Zutritt“ hatten. Im Vorspann der Lesung vermittelte sie dem Publikum einen Eindruck von den Umständen, unter denen sich die gesammelten Erinnerungen zu einer Dokumentation mit Struktur entwickelt haben. Demnach war schon die Beschaffung eines Ordners ein Fortschritt, in dem sie die beschriebenen Rückseiten von „langweiligen Behördenformularen“ aufbewahrte.

Dieses gute Gefühl des Zuspruchs und der Zustimmung reifte auch bei ihrer neuen Erfahrung im Bürgerhaus. Konzentriert und aufmerksam begleitete das Publikum Dr. Piroschka Agoston bei der Spurensuche in erlebnisreichen und prägenden Jahren, die ihr selbst – wie der Titel des Werkes schon bekräftigt – tausend Fragen stellen. Der Behauptung, einige Passagen ihrer Nachbetrachtungen seien zu trist und schwermütig, wollte sie nicht widersprechen: „Es war tatsächlich eine düstere Zeit.... !“
Und davon berichtet sie in aufrichtiger Offenheit. In diesem Abschnitt, der die Situation nach dem Krieg verdeutlicht, geht Dr. Agoston mit ihren Landsleuten hart ins Gericht: „Mein Volk ist für Jahrzehnte ein Volk der Denunzianten geworden. Hausmeister bekamen unbegrenzte Macht, jeder hat jeden beobachtet, jede Kleinigkeit wurde gemeldet .... Die Menschen wurden meistens in der Nacht abgeholt ...!“ Verrat, Heimtücke und Bosheit, so befürchtet sie, werden sich nie ausschließen lassen. Sie würden auch Gegenwart und Zukunft belasten: „Es wird immer Menschen geben, denen die Tragweite ihrer Handlungen nicht bewusst ist. Verbrecher aus Gedankenlosigkeit sind die gefährlichsten Kriminellen.“
[Text und Bilder Sepp Raith, Donau-Post]

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