Bla, bla, bla, bla, bla, bla, bla

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Als die Künstlerin dann aber durch den ganzen Bürgersaal zur Bühne fetzte und draufsprang, um die Gäste zu begrüßen, da ahnte man schon, dass es mit Schweigen und Langeweile nicht so weit her sein würde.Andrea Limmer, ein 1,54 Meter großes Energiebündel („gefühlte Größe: 1,95 Meter“), eine Ratschkathl, wie sie selbst geschrieben hat, verstand es, die Gäste zu unterhalten – mit deftigem, aber durchaus hintergründigem Humor.Eine zentrale Botschaft des von K.i.W. organisierten Abends: Schweigen wäre manchmal besser, weil „vul Leid nur reden, damit d’Luft scheppert“. Darum ging es auch in einem Lied, das die Kabarettistin sang und mit der Ukulele begleitete. Refrain: „Bla bla, bla, bla, bla, bla, bla, bla, bla, bla, ...“.Mit beißendem Spott bedachte Limmer „Alexa“, den virtuellen Assistenten und Sprachautomaten von Amazon. Oder, mit Limmers Worten, eine Dose, mit der man sprechen kann und die zu allem etwas weiß. Naja, zu allem wahrscheinlich auch wieder nicht, wie die Kabarettistin witzelte: „Man kannt ja mol song: Alexa, google doch bitte günstige Mietpreise in München.“Ihre niederbayerische Herkunft nahm Limmer gleichfalls auf Korn. Niederbayern sei das „Land des emotionalen Schlaganfalls“, sagte sie und wunderte sich darüber, dass sie ob ihrer Herkunft „keine Beileidsbekundungen“ bekam.Auch um Duschgel ging es, das heutzutage „body talk“ heiße und den Teint anspreche. Wenn das Duschgel ihren Teint sehe, werde es wahrscheinlich sagen, „dass de öfter mol ind’Sunn geha sollt“, scherzte Limmer. Das Duschgel verleihe außerdem Energie und Entspannung: „Wenn i Energie und Entspannung her, dann denk i eher an mein Onkel Fredi, wia a oan fahren lasst.“Sie erzählte ferner von ihrer Oma Cilli, die den Hansi Hinterseer sehr gerne höre. Da gebe es dann Liedzeilen wie diese, flachste Limmer: „Komm mit mir auf die schönsten Inkontinente. Ich schenk dir meinen Herzschrittmacher.“Die Kabarettistin, die ihre Zuhörer schon mal augenzwinkernd zur Ruhe ermahnte („I hock eich glei ausanand“), kam auch auf Touristen zu sprechen, die ihren Heimatort überfluten – und denen sie einen „bayerischen Smoothie“ (saures Lüngerl) kredenze. In ihrem Heimatort gebe es zudem die „fünfbeinige Haxensau“, ein Schwein, das „seit Tschernobyl“ fünf Beine habe und sogar schon mal Ministerin Ilse Aigner bedrängt habe: „Do hob i gsagt: Ilse, du bist doch in da CSU, di hod doch bestimmt scho öfter a Sau angemacht.“Ihre spöttischen Erzählungen lockerte Limmer mit Liedern auf, zum Beispiel mit dem Stück „Ohne Diridari, do vadirrad i, ohne Diridari, darad i vadirrn“.

[Simon Stadler, Donau Post]

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