Cismen

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Jazz neu entdeckt.

Richard Wiedamann, Norbert Vollath und Mike Reisinger traten als "Cismen" im Rondellzimmer auf.

"Musikalisch ist es sicherlich das ungewöhnlichste Konzert, das wir je in Wörth hatten,“ erklärte Johann Festner von K.i.W. (Kultur in Wörth). Der Standard-Jazzer Richard Wiedamann traf auf die Modern-Jazzer Mike Reisinger und Norbert Vollath. Aus ganz unterschiedlichen Stilrichtungen trafen sich die drei Musiker am Samstag im barocken Rondellzimmer zu einer Entdeckungsfahrt aus Faszination und Farbigkeit des Jazz. Die anwesenden Zuhörer waren begeistert von der Darbietung, die Musiker angetan vom Dialog mit dem Publikum. Einige Plätze blieben leer. Jazz hat ein eben ein spezielles und auserlesenes Publikum.

Wiedamann, der auch „Mr. Jazz“ genannt wird, ist seit 25 Jahren Mitorganisator des Bayerischen Jazz-Weekendes in Regensburg. Er selbst bezeichnete die Band als „ungewöhnlich, weil sie eigentlich nicht zusammenpasst“. Umso mehr sieht der 75jährige seine Zusammenarbeit mit Vollath und Reisinger als Herausforderung und musikalische Bereicherung.

Die beiden Mulit-Instrumentalisten sind als „Duo De Clarinettes-Basses“ bekannt für experimentelle und dynamische Pfade. Den gemeinsamen Einstieg fand das Trio in der „Cismen-Hymne“[...]. Vollath und Reisinger traten danach an die Grenzen des Jazz – oder darüber hinaus – mit ungewöhnlichen Klangmedien wie Gong und Hupe. Noch ungewöhnlicher war deren akustischer Einsatz, wenn der geschlagene Gong ins Wasserbecken tauchte oder einem geschleuderten Schlauch melodische Töne entlockt wurden. Mit „For Carl“ von Ray Vinegar sorgte das Pianosolo von Wiedamann für swingende Überschaubarkeit. Zwischendurch zusammenfindend wagte sich das Trio an die literarische „Geschichte der Lorch-Linde“, die sie mit gemeinsamen Klängen unterschrieben. Mit Rhythmik und Dynamik eines Vulkanausbruchs präsentierten Vollath und Reisinger „Sophisticated Lady“. Wiedamann antwortete mit der Jazz-Ballade „Wozu?“ am Piano.

In Gänsehaut-Stücken traf sich das Trio wieder mit viel Intensität und sehr sensibler Improvisation. Ihre Spontaneität und Dialogfreude riss Stilgrenzen ein und brillierte durch Können und Spielfreude. Reisinger entwickelte sich zudem zum Trommler und in der zweiten Zugabe zum Blues-Sänger in bayrischer Mundart. [...]

[Text und Bild 2: MZ, Sibylle Schreiner]

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