Geschlossene Augen im Theater
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Als Live-Hörspiel hat das Pettendorftheater „Magdalena“ nach Ludwig Thoma im Bürgerhaus am Sonntagabend aufgeführt. Die Zuhörer saßen mit dem Rücken zu den sieben Lesern des Stücks. Sie schlossen die Augen oder schauten auf eine Kulisse aus beleuchteten Gegenständen vor sich, während sie den Stimmen hinter sich lauschten.
Das in etwa einstündige Stück führte das Amateurtheater bereits zum fünften Mal an verschiedenen Orten der Region wie Pettendorf oder Kallmünz auf, sagte Hubert Dennerlohr, der die Figur des Thomas Mayr las. Die Idee gebe es schon ganz lang, sagte er. Bürgerliche Trauerstücke seien in ihrer Sprache direkt und ehrlich, was es schwer mache, sie als Laientheater umzusetzen. Durch das Lesen fokussierten sich die Schauspieler stärker auf die Emotion und das Innere der Figuren.
Vorn das Publikum, hinten die Sprecher
Viele von uns agieren trotzdem beim Sprechen mit“, sagte Dennerlohr. Das bekamen die Zuhörer jedoch nur mit, wenn sie sich umdrehten, um einen kurzen Blick auf die Leser zu erhaschen. Es sei darüber hinaus eine andere Form des Übens gewesen: Wer auf der Bühne wann, wohin gehe und welchen Gegenstand nehme, entfalle alles beim Üben, sagte Dennerlohr.
Obwohl es kein klassischer Theaterauftritt war, richteten die Schauspieler eine Bühnenkulisse aus Gegenständen ein, die vor den Augen der Zuschauer abwechselnd leuchtend gelb oder weiß angestrahlt wurden. Die Gegenstände auf der Bühne wurden aus zwei Gründen integriert: Den Augen sollte dennoch etwas gegeben werden und kleine Szenen seien dadurch trennbar, erläuterte Dennerlohr. Die Gegenstände wie Spiegel, Kreuz oder Schaufel sollen darüber hinaus die Eitelkeit, Schönheit oder Religion darstellen, die im Stück eine Rolle spielen, ergänzte er. Zwei weitere Aufführungen von „Magdalena“ seien noch geplant.
„Es ist eigentlich ein Experiment, ein Volksstück nicht als Schauspiel, sondern als Hörspiel aufzuführen“, sagte Johann Festner von Kultur in Wörth (K.i.W.). Er selbst habe schon ein paar Aufführungen gesehen und das Pettendorftheater daraufhin nach Wörth holen wollen. Das Stück sei in seinen Augen eine Tragödie, fügte er hinzu. Das Thema finde er interessant, die Geschichte sei doch schon über 100 Jahre alt. „Es ist auch eine gute Gruppe, sie wissen, was sie können“, sagte Festner.
Geräuscheffekte und wie sie entstehen
Die Dialoge sprachen die Leser im bairischen Dialekt. Ein schriller Schrei war zu hören oder ein Ticken, das im Hintergrund mal lauter und mal leiser wurde. Für das Klopfen an der Tür verwendeten sie beispielsweise einen Hammer, mit dem sie an einen Holzbalken schlugen. Aus einer Musikbox kam das Stimmenwirrwarr der Gaffer, als Magdalena nach Hause zurückkehrte. Das Stück handelt von der bäuerlichen Lebensweise um 1910 mit starren religiösen Moralvorstellungen, die sich mit Beginn der Moderne nur langsam auflösen. Die minderjährige Bauerntochter Magdalena, im Stück Leni genannt, geht als Näherin in die Stadt. Ein Heiratsschwindler bringt sie dort um ihre Groschen, wodurch sie ins Unglück kommt. Die Eltern sorgen sich um das Ansehen der Tochter, nachdem sie auf die schiefe Bahn und an den gesellschaftlichen Rand gerät. Das bekommt Leni nach der Rückkehr in ihr Heimatdorf von den anderen Dorfbewohnern zu spüren, die sie ausgrenzen und regelrecht Jagd auf sie machen.
[Text und Bild: Amelie Dallmeier, Donau-Post]