„Ich bin ei­ne Staub­saug­er­ter­ro­ris­tin“

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So war es eher eine intime Vorstellung, die damit begann, dass die Nordrheinwestfälin allen zur Begrüßung erst mal gescheit „Pfüat di!“ sagte. Grußformel ist schließlich Grußformel. Von den Gästen über die Bedeutung derselben aufgeklärt, gestand sie, dass es sie der Liebe wegen nach München verschlagen habe und dass es leider kein einziges Buch darüber gebe, wie man ein richtiger Bayer wird.

Dirndl: „Mein eigenes kleines Alpenpanorama“

„Fensterln für Sehbehinderte“ und allerlei andere nichtsnutzige Ratgeber habe sie gefunden, aber am Ende sei es wohl doch die Tracht, die den Preußen wenigstens optisch einbürgert, „aussehen wie die anderen – schon mal ein Anfang. Das Dirndl ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Und dieses Dekolleté – mein eigenes kleines Alpenpanorama!“ Zur Melodie von „What a difference a Day makes“ dichtet Zimny: „Wat für‘n Unterschied so‘n Dirndl macht. Ich bin ‘ne Frau, die wieder lacht!“

„Kennen Sie vorwurfsvolles Staubsaugen?“

Wenn sie nicht gerade im Frühtau zu Berge ziehen muss. Denn offenbar ist der typische bayerische Alpinismus, dem auch ihr Mann unverdrossen frönt, so gar nicht das ihre: „Es gibt nichts Unnatürlicheres als die Natur. Die Tiere gibt es nur im Ganzen und sie sprechen einen an in fremden Sprachen. Muh! Rolltreppe, das ist artgerechtes Wandern.“ Überhaupt sei die Ehe – die dritte inzwischen – auch wieder nicht die erhoffte Liebe für’s Leben. „Was für ein Leben ? Kennen Sie vorwurfsvolles Staubsaugen ? Ich verfolge meinen Mann damit durch die Wohnung. Ich bin eine Staubsaugerterroristin!“ Ist das bloße Rache für die Bergtouren oder noch tiefer gehende Enttäuschung ? Man wird schließlich auch nicht jünger. „Wann haben Sie das letzte mal in den Spiegel geschaut und etwas gesehen, das Ihnen auch nur entfernt ähnlich sieht ?“

„Wo bist Du, mein Haxenschnaxler?“

Und mit dem Alter kommen die Wehwehchen. Zimny bezeichnet sich selbst als „Herpesianerin“, die das bekommt, wovon andere bloß reden. „Vogelgrippe habe ich von einem Daunenkissen bekommen. Und mein Herzschlag, immer dieser kleine Tod nach dem Bumm.“ Aber die Show muss weitergehen und konkret tat sie das mit dem Hit „My Heart is beating like a Jungle Drum“, das Zimny umdichtete in „Mein Herz, das hört sich echt krank an“.

Also lieber keine Zeit verlieren und nochmal von Neuem suchen, nach dem Urbayern, dessen Liebe die Jugendliche in der Frau mittleren Alters neu belebt: „Wo bist Du, mein Haxenschnaxler, mein Sissybezwinger, Du, Mann aus den Bergen, Mann aus dem Wald, Mann vom Parkplatz, ist ja auch egal..."

Enttäuschungen gäbe es im Dating-Dschungel zuhauf und jede Menge neue Herausforderungen: „Früher haben die Väter auf die Unschuld der Töchter geachtet, heute verbietet der 12-Jährige der alleinerziehenden Mutter, dass der Freund über Nacht bleibt.“ Und auch die Männer sind nicht mehr das, was sie mal waren: „Bemuttert bis zum Muskelschwund! Noch schlimmer als Helikoptereltern sind Helikopter-Schwiegereltern.“ Die sorgen für das ganze „Fürsorge-Folterprogramm“ und „schreiben sogar per WhatsApp, dass ich meine Pille nicht vergessen soll."

Wenn Ludwig II eine Frau gewesen wäre ...

Kein Wunder, dass die Frau von heute sich da in Tagträumen und allmählichem Größenwahn verliert. „Wenn Ludwig II eine Frau gewesen wäre, dann müssten Sie sich nicht mit dem Länderfinanzausgleich herumschlagen...“ Und schon wird aus dem Vortrag eine Audienz mit Königin Karin I. von Bayern, zu den Klängen von Rio Reiser. „Kini, werdi, bleibi! Herrschen ist genau das Richtige für mich!“ Sie ist halt auch nur eine wie alle anderen.

[Franz Nopper, Donau-Post]

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