Lie­der von deut­schen und bri­ti­schen Kom­po­nis­ten – Bri­ti­sche Sän­ger er­zäh­len vom Bre­xit

Eingetragen am

„Hab oft im Kreise der Lieben
In duftigem Grase geruht,
Und mir ein Liedlein gesungen,
Und alles war hübsch und gut.“

Als Ouvertüre haben die vier Altstadtsänger „Frisch gesungen“ von Friedrich Silcher (1789 – 1860) gewählt. Im Laufe des Abends werden die vier älteren Herren deutsche und englische Quartette, Sololieder und Balladen präsentieren, darunter vier Lieder von den Comedian Harmonists wie „Veronika“ und „Tootsie“.

„Seit zehn, zwölf Jahren – ich weiß es gar nicht genau – treffen wir uns regelmäßig und musizieren zusammen“, berichtet der Bariton Albert Zacher. Für die Taufe von Helmut Pösers (Bass) Enkelkind versammelte er damals seine drei Freunde zum ersten Mal um sich. Zacher hat schon in seiner Schulzeit in einem Männerquartett gesungen, Harper ist sogar ausgebildeter Sänger und Hiley ist Musikwissenschaftler und Spezialist für Gregorianik. Er bringt oft alte Choräle zu den Proben mit, die zum letzten Mal vor 800 Jahren aufgeführt wurden.

Ihr Repertoire reicht inzwischen von gregorianischen Chorälen über die Renaissance und die Romantik bis hin zu Schlagern aus den Zwanzigern und Barbershop Songs. Barbershop ist amerikanischer Musikstil, der früher in Frisörläden zur Unterhaltung der Wartenden Kunden aufgeführt wurde, erklärt Zacher. „Daraus ist später in New Orleans der Jazz entstanden.

Musiziert wird bei Albert Zacher zuhause. „Er ist unser Gastgeber, Bibliothekar und Notenwart“, lacht Hiley, „Er hat uns zusammengeführt.“ Die vier Sänger harmonieren nicht nur gesanglich, auch privat sind sie eng befreundet. „So wie andere sich zum Schafkopfen treffen, treffen wir uns, um gemeinsam zu musizieren“, erklärt Zacher. Zumeist singen sie für sich selbst. „Früher waren wir allerdings manchmal bei ‚5 nach 12‘ dabei“, erinnert sich Zacher. „Und letztes Jahr waren wir auch schon hier in Wörth.“

Deutsche Staatsbürgerschaft

„Mir war schon vor dem Referendum klar, dass dabei etwas Schlechtes herauskommen könnte“, vertraut der Brite David Hiley mit seinem sanften britischen Akzent der Donau-Post an. „Die Stimmen der Brexit-Befürworter waren sehr laut. Mir war das extrem unangenehm. Die Stimmung wurde zunehmend unruhig.“

Geboren wurde Hiley in Nordengland in der Nähe von Manchester und studierte in Oxford und London. Vor mehr als 30 Jahren kam Hiley mit seiner Frau wegen einer Professur an der Universität nach Bayern. Der drohende Brexit hat ihn und seine Frau vor ein paar Monaten dazu bewogen, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Jetzt ist es offiziell.

Hiley erzählt, dass seine Tochter als Künstlerin in Edinburg lebt und arbeitet. Viele Künstler aus aller zieht es in die schottische Metropole. Die Freunde und Kollegen seiner Tochter machten sich nun Sorgen, denn nach einer neuen Regelung sollen nach dem Brexit alle, die weniger als einen bestimmten Betrag zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, das Land verlassen müssen. Und Künstler gehören nicht zu den Besserverdienenden.

Am 23. Juni 2016 entschied sich bei einer Wahl eine knappe Mehrheit der Briten für den Austritt aus der EU. So etwas gab es noch nie, nochmalerweise wollen Länder der EU beitreten. Die Brexit-Befürworter wollen sich nicht mehr von EU-Gesetzen einschränken lassen, keine unbegrenzte Einwanderung dulden und keine Zahlungen an den europäischen Haushalt leisten. Da Großbritannien eng mit den anderen EU-Ländern verbunden ist, gilt es nun, viele neue Gesetze zu vereinbaren, über die man sich nicht einig wird. Die befürchteten Folgen sind eine schrumpfende Wirtschaftskraft Großbritanniens, unter anderem wegen der großen bürokratischen Hürden mit den bisher wichtigsten Handelspartnern, den EU-Ländern, ein im Wert sinkendes britisches Pfund, teure Im- und Exporte aufgrund von Zöllen, Arbeitsplätze werden verloren gehen, große Firmen den Inselstaat verlassen und Probleme für die ausgewanderten Briten und auf der Insel lebenden Einwanderer auftreten. „Doch es gibt auch eine Bewegung, um die Entscheidung rückgängig zu machen“, hofft Hiley.

[Text und Foto: Donau-Post, Werdin] 

Zurück