Raith-Schwestern: Ein Weg zurück zu den Wurzeln

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Raith-Schwestern

Das Ambiente des Wörther Schlosskellers bot die passende Kulisse für das Konzert der Raith-Schwestern. Die zwei Vollblutweiber, bekannt durch ihre frechen, oft deftigen Lieder, boten eine ganz andere Seite. Ansonsten sieht man die Vertreterinnen der modernen Volksmusik eher im knappen Mieder und knackiger Lederhose auf der Bühne. Diesmal traten sie in schlichtem Schwarz und Stiefeln vor ihr Publikum.

Das Programm unter dem Motto “Wissts wou mei Hoamat is” kam an bei den Konzertbesuchern im voll besetzten Schlosskeller. Emotional und gefühlvoll kamen die zwei Sängerinnen daher. Aber weit ab von einem rührseligen Heimatabend. Denn Susi, Tanja und ihr Blaimer waren modern und strotzend voll Temperament.

Makaberes aus der Oberpfalz

Ein Blick tief hinein in die Heimatmusik und zu den musikalischen Wurzeln der “Opferpfälzer Donnerstimmen” wurde gewährt. Keine “kracherten” Kabarett-Einlagen wurden präsentiert, sondern leise, ruhig, besinnlich, teilweise melancholisch ging es zu. Bereits vom ersten Stück an konnten die Raith-Schwestern ihr Publikum begeistern. Nach jedem Lied brandete Beifall auf. Nicht nur musikalisch, sondern auch mit Fotografien von Tanja Raith nahmen sie die Besucher mit auf eine Reise durch die vier Jahreszeiten. Andi Blaimer begleitete die Raiths dabei nicht nur mit Gitarre, Mundharmonika, Maultrommel und anderen Instrumenten, sondern las dazwischen immer wieder lustige und bisweilen makabere alte Oberpfälzer Sagen vor. Ganze tief hinein greifen die musikalischen Schwestern bei ihrem “Hoamat-Programm”. Man sieht es ihnen an, man meint förmlich zu spüren, wie sie wieder zu den Mädchen werden, die früher auf Heimatabenden sangen. “Damals, als es noch echte Wirtshausmusikanten geb'n hat, ham mir das Liedl zum ersten Mal gehört”, erzählte Tanja und stimmte mit ihrer Schwester das “Waldvogerl” an: “Heute können wir verstehen, warum damals jeder geweint hat.”

Eine Trachtenschneiderin

Bevor es zu anrührend wurde, kam der Schwenk zur Großmama. “Mei Oma hat koan Fernseher g'habt”, kommentierte Susi Raith nach einer besonders gruseligen Geschichte. Und ihre Schwester Tanja ergänzte: “Da samma gern über Nacht blieb'n.” Ebenso heiter war die Anekdote vom Lied, “welches d'Mama immer vorm Ei'schlafa vorg'sunga hat”. “Sie hat a so a tiefe Stimm' g'habt - mir ham an tief'n Brummton ei'baut”, erklärte Tanja. Die Raith-Schwestern bedankten sich, dass so viele in den Schlosskeller gekommen seien. Warum es sie nach Wörth gezogen habe, erzählten sie der MZ. Das Ambiente des Schlosskellers fasziniere sie “absolut”. Außerdem hätten sie hier auch ihr erstes Bühnenprogramm vorgestellt. Auch privat gebe es viele Anknüpfungspunkte mit Wörth. Beispielsweise wohne hier ihre Trachtenschneiderin Lisa Schnagl. “Von Kindheit an näht die für uns die Dirndl oder Mieder für die Auftritte. Die “Leib-Schneiderin” der Raith-Schwestern brachte zum Konzert für Tanja und Susi sogar deren Lieblings-Kaffee als Geschenk mit.

[Petra Schmid und Theresia Luft, Mittelbayerische Zeitung]

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