Was Wörth ausmacht

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Sieben der 15 Autoren des Buches „Wörther Erinnerungsorte“ haben am Freitagabend im Feuerwehrhaus Tiefenthal vor Publikum einige Ausschnitte vorgelesen. Angereichert wurden die Geschichten mit Anekdoten und Gesang. Karl Dietl begleitete zwischen den Geschichten über die Wörther Besonderheiten mit Stücken wie „Mir san vom Woid dahoam“ auf seinem Akkordeon.

Das Buch solle das gemeinsame Gedächtnis öffnen und Erinnerungen lebendig halten, sagte Lena Schöberl. Gemeinsam mit dem zweiten Herausgeber Johann Festner kam sie vor einigen Jahren auf die Idee: Als eine Lesung über besondere Regensburger Orte ausfiel, seien bei ihr Festner Funken geblieben und beschlossen, ein ähnliches Projekt für Wörth zu starten. Einzelne Textausschnitte über Wörther Orte veröffentlichten sie zunächst im Adventskalender von Kultur in Wörth. „Im Hinterkopf war aber immer ein Bücherl“, sagte Schöberl. Das Ganze sei in Anlehnung an den französischen Historiker Pierre Nora und seinen Ansatz des „kollektiven Gedächtnisses“ entstanden. „Für die, die sich mit Schmunzeln erinnern und alle, die entdecken wollen, was ist.“ Da es keine wissenschaftliche Abhandlung sei, fänden sich in den Texten auch Erinnerungen des jeweiligen Autors, sagte sie und erzählte mit den „Hausnamen“ ein eigenes Beispiel.

Lena Schöberl erzählte von ihrem Herzensthema

Die Hausnamen seien „eine kulturelle Erscheinung und stark an den Dialekt gebunden“, sagte sie. Heutzutage seien die Hausnamen, die über Generationen vererbt werden, nicht mehr geläufig, da die Menschen mobiler werden und der Dialekt verdrängt wird. Für Frauen wird beispielsweise an den Familiennamen das Suffix „in“ angehängt. Sie selbst sei deshalb von der Nachbarin schon als junge „Schöberlin“ vorgestellt worden. Aber auch Berufsbezeichnungen werden oftmals herangezogen. Wer denn den Hannebauer oder Schützbauer kenne, fragte sie. Die Hausnamen sind für Schöberl ein Herzensthema.

Josef Schindler fuhr über den Wörther Schlossbitter fort. Der Kräuterlikör stehe pars pro toto für die Hofapotheke, sagte er. „Nicht nur wegen der Magenbekömmlichkeit, sondern auch wegen des Trosts beim Heimweh.“ Auf dem Flaschenetikett steht: „So schmeckt Heimat.“ „Das steht da wirklich drauf“, sagte Schindler amüsiert, worauf auch Lachen aus dem Publikum zu vernehmen war. Der Likör wecke bei ihm nostalgische Gefühle. Er begleite ihn mittlerweile schon bis ins fortgeschrittene Alter, sagte Schindler.

Johann Fester schloss mit dem „Hobel“ an, einem geflochtenen und mit Salz bestreuten Gebäckstück. „Ein höchst mysteriöses Gebilde“, sagte Festner. Das Ende des Stangels stehe nach oben, aber ob er deshalb so bezeichnet werde, wisse man nicht, sagte er. Neben dem Myterium zum Namen bestehe ein anderes zur Pluralform. „Die einen sagen bei zwei auch Hobel, die anderen Habeln.“ Einstimmigkeit gebe es jedoch in der Art der Zubereitung: Ein semmelähnlicher Teig mit Kümmel werde für den Hobel verwendet, in den lokalen Bäckereien auf Kundenwunsch manchmal aber auch ohne Kümmel, sagte er. Doch ist er wirklich ein Wörther Original? Seine Herkunft werde auf das Jahr 1650 in Roding datiert. Festner gab sich überzeugt: „Er ist so lange in Wörth, dass er als vollwertig integriert gewertet werden kann.“

Schluckimpfungen im Wirtshaus

Eva Dietl wollte die Erinnerung an den alljährigen Hans Solleder las über den Autobahntunnel, der 1938 errichtet und 1976 beseitigt wurde. „Er war damals ganz normal für uns“, sagte er. Der Ort war ein Treffpunkt für die Jüngeren. Ein Lärmschutzwall und eine Lärmschutzwand wurden anschließend 1987 errichtet. Für die Wörther sei es Fluch und Segen, wie die Autobahn verlaufe, sagte er.Kirta, das Küchlfest genannt, aufleben lassen. „Alles wimmelt durcheinander wie in einem Bienennest“, sagte Dietl. Karl Dietl erinnere sich als Wirtshausjunge gut daran, sagte sie. Mithilfe alter Zeitungsberichte der Donau-Post habe sie die Geschichte des Gasthauses Dietl rekonstruiert. Dort wurde getanzt, gewählt und geimpft: Laut Dietl kamen die Bewohner auch für Schluckimpfungen ins Wirtshaus.

Evi Schöberl sprach über die Nikolausabende. Sie seien von den Kindern sehnsüchtig erwartet worden. Auch wenn der Krampus dabei gewesen sei, zeigten manche Kinder keine Angst und trotzten ihm, sagte Schöberl mit einem Schmunzeln.

Bernhard Lohmeier berichtete über den Schifferlsaal, in dem damals Musik von Kapellen aus der Umgebung gespielt wurde. Heute ist er die Heimat der Kolping-Theaterbühne. „Damit beginnen auch persönliche Erinnerungen an den Ort“, sagte er. Auch er sei schon auf der Bühne gestanden. „Bleibend schöne Erinnerungen kommen auch bei vielen an die vielen Tanzveranstaltungen wie den Schäferball hoch“, sagte Lohmeier. Dort wurde die bayerische Polka getanzt. „Aber die Oberspezialisten tanzen den Zwiefachen“, ergänzte er und stimmte Zeilen des „Suserl“ an.

[Text Amelie Dallmeier, Donau-Post; Bild Johann Festner]

 

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